Meine GOTY-Liste fürs Jahr 2017 zeigte mir, wieso die Gamestar ihre Leser so gerne mit Listen überschüttet. Es klickt einfach verdammt gut. Heute gibt es endlich den Nachfolger zum bisher erfolgreichsten Artikel dieses Blogs. Diese Maxi-Ausgabe deckt alle Neuerscheinungen ab, die ich 2018 gespielt habe. Das heißt: Massig Empfehlungen (und einige Warnungen). Remaster und Portierungen sind wie immer ausgeschlossen. (Sorry, Hollow Knight, du wärst sonst auf Platz 12 gelandet.)

Ich weiß, es ist viel. Aber immerhin bekommt ihr hier eine einzigartige Liste – sowohl in Umfang, als auch Subjektivität. Ich habe mich so kurz wie möglich gefasst. Die unteren Platzierungen sind kaum länger als Tweets. Außerdem zwinge ich niemanden, alles zu lesen. Wenn ihr trotzdem alles lesen wollt, heftet euch den Tab einfach an und legt ein paar Pausen ein.  Wir sehen uns an der Spitze!


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51. The Persistence

Der Gewinner des diesjährigen Kotztüten-Awards. Ich bin ohnehin furchtbar in First Person-Stealth. Die unintuitive Steuerung und das VR-unfreundliche Leveldesign machten The Persistence für mich unspielbar. Ständige kleine Kamerajustierungen funktionieren in VR einfach nicht. Schade ums coole Setting.


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50. Save Me Mr Tako

Ich habe mich lange drauf gefreut. Tolle Retro-Ästhetik, aber letztendlich war Mr Tako so konsequent retro, dass ich auch gleich ein mittelmäßiges Game Boy-Spiel hätte spielen können (und dabei vielleicht noch weniger frustriert gewesen wäre). Mehr dazu in meinem dazugehörigen Artikel.


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49. Semblance

Würde ich hier nur Konzepte bewerten, stünde Semblance – ein 2D-Platformer mit Terraforming – deutlich höher in der Liste. Leider werden die Puzzles rund ums Ausbeulen der Umgebung schnell eintönig. Dazu kommen viele winzige Unfeinheiten in Spielgefühl und Steuerung.


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48. Detroit: Become Human

Erneut hat David Cage nicht verstanden, dass wildes Gekurbel am rechten Stick die Immersion der Spieler nicht erhöht, sondern senkt. So lange seine Spiele auf dieser fundamentalen Ebene x-beinig sind, wird es für mich schwierig bleiben, sie zu genießen. Dabei hat hier endlich mal ein AAA-Spiel versucht (Betonung auf „versucht“), etwas über die Welt auszusagen. Schade.


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47. Fugue in Void

Ab hier folgen die guten Spiele. Fugue in Void ist das Videospiel-Äquivalent einer Videoinstallation im Museum. Kein Gameplay, keine Herausforderung – nur gucken und laufen. Als ästhetische Erfahrung ist die surreale betonverseuchte Spielwelt einen Blick wert – nicht mehr, nicht weniger.


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46. VSR: Void Space Racing

99 Cent im eShop-Sale – sonst hätte ich das Teil nie gekauft. Schwerelose Rennen im Weltall ohne feste Strecke und ohne jegliche Reibung erfordern erfrischend unverbrauchte Skills. Physik und Ästhetik sind auch on-point. Ein experimentelles und kurzweiliges Rennspiel.


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45. Onrush

Vollpreis im Juni, PS Plus im Dezember. Schade, dass es so ein Flop war. Onrush ist nicht ganz mein Steckenpferd, aber dennoch ein cooler Fun-Team-Racer mit gewohnter Codemasters-Qualität. Wer sowas spannend findet, kann das Spiel schnell per PS Plus oder Xbox Gamepass laden und die Lobbys vorm Aussterben bewahren.


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44. Euclidean Skies

Kurz umschrieben: Monument Valley in Augmented Reality… oder so ähnlich. Das AR-Feature erweitert das Gameplay auf beeindruckende Weise. Anstatt das Level mit den Fingern zu drehen oder zu zoomen, geht man mit seinem Smartphone einfach ein paar Schritt nach vorne oder zur Seite. Die Puzzles selbst waren mir leider zu eintönig und zu fummelig.


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43. Bloodstained: Curse of the Moon

Genauso retro wie Save Me Mr Tako, aber an den richtigen Stellen modernisiert. Letztendlich bin ich immer noch nicht der größte Fan der NES-Castlevania-Physik, aber Bloodstained ist ein gelungenes Throwback von angenehmer Spieldauer. Der fliegende Wechsel zwischen mehreren Charakteren hebt das Spiel von seinen Vorbildern ab.


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42. Masters of Anima

Ich bin so durstig nach einem neuen Pikmin-Ableger, dass ich alles aufsauge, was nach Pikmin aussieht. Masters of Anima verfeinert die Kampfmechaniken der Pikmin-Reihe, aber auch deren Frustpotential. Leider bleibt auch der Charme der Minisoldaten komplett auf der Strecke. Mehr über den insgesamt generischen Eindruck in diesem Artikel.


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41. Just Shapes and Beats

Nichts ist subjektiver als Musikgeschmack. Ich mag Chiptune – aber leider nicht so sehr, dass ich dieses Rhythmusspiel in seiner vollen Pracht genießen konnte. Das blitzschnelle Ausweichen von kreativen Windows Media Player-Visualisierungen ist frisch und spaßig. Aber das extreme Trial-and-Error stellt meine Toleranz für 8bit-Techno auf eine harte Probe.


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40. Minit

Wieder ein tolles Konzept, welches aus der Distanz betrachtet ein wenig flach wirkt. Es ist mal etwas Anderes, sich in Ein-Minuten-Intervallen durch ein Zelda-ähnliches Adventure zu hangeln. Trial-and-Error im positivsten Sinne, auch wenn spielerisch alles simpel bleibt.


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39. Kingdom Come Deliverance

Hier habe ich nicht viel mehr als den etwa vierstündigen Prolog sowie eine Hand voll Sidequests gespielt. Meine paar Stunden, die ich mit dem grandiosen Setting verbracht habe, konnten mich aber durchaus begeistern. Ich bin allergisch gegen die unnötig komplexen Systeme vieler West-RPGs. Die einfachsten Aufgaben fallen mir hier plötzlich schwer. So muss sich mein Vater fühlen, wenn ich ihm einen Controller in die Hand drücke.


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38. Forza Horizon 4

Ein nahezu perfektes Open World-Rennspiel. Wie auch schon die drei vorherigen Teile. Schon ein bisschen ermüdend. Vor allem, wenn ich daran denke, dass ich auch einfach nochmal Burnout Paradise spielen könnte. Denn nichts hält den Spielspaß der Forza Horizon-Reihe so sehr zurück wie ihr Realitätsanspruch. Dieser bröckelt genau so sehr wie die tausend englischen Mauern, welche das Spielerfahrzeug wegpflügt wie Legosteine. Auch Bäume sind mittlerweile kein Hindernis mehr. Geht endlich den ganzen Schritt zur Spieler-Ermächtigung oder bleibt realitätsnah! In seiner jetzigen Form wirkt Forza Horizon 4 nur inkohärent.


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37. Surviving Mars

Bin ich zu blöd für dieses Spiel? Oder ist das Spiel zu blöd, sich mir zu erklären? Ich liebe Mars-Settings und hatte demnach auch hier meine paar Stunden Spaß am Wuselfaktor und emergenten Storytelling. Ganz so furchtbar war meine Marskolonie dann auch gar nicht. Wirklich zielgerichtet spielen konnte ich aber selbst nach mehreren Stunden Tutorials immer noch nicht.


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36. Shi Ro

Shi Ro nutzt das Gyroskop des iPads, um seine japanischen Lackzeichnungen realitätsnah im Licht spiegeln zu lassen. Die ziemlich belanglosen Linienrätsel müssen an dieser Stelle gar nicht besprochen werden. Denn rein ästhetisch ist Shi Ro ein tolles kleines Erlebnis für alle Japanophilen. Mehr dazu in meiner Kritik zu Shi Ro.


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35. Bomb Chicken

Eine originelle Idee: Ein Platformer, dessen Figur nicht springen, sondern stattdessen Bomben unters eigene Gesäß legen kann. Der größte Feind dieses Spiels ist die Monotonie. Und damit meine ich nicht nur die mäßig abwechslungsreichen Level. Mir ist noch nie so stark aufgefallen, wie sehr das Fehlen eines abwechslungsreichen Soundtracks ein Spiel abstumpfen kann. Es scheint nur ein und dieselbe generische Agententhriller-Melodie in verschiedenen Variationen zu geben. Zum Glück ist das Spiel nicht zu lang.


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34. Dragon Ball FighterZ

Wir sind endlich an dem Punkt angekommen, an dem Videospiel-Adaptionen besser aussehen als ihr Quellmaterial. Zudem ist das Spiel auch für Fighting Game-Trottel wie mich einsteigerfreundlich genug, um zumindest die Grundlagen zu verinnerlichen. Leider war die Singleplayer-Kampagne so schmerzhaft langweilig, dass ich nur kurze Freude an Dragon Ball FighterZ hatte. Auch im Online-Modus habe ich literweise Tränen vergossen und das Spiel kurze Zeit später gegen Monster Hunter World getauscht.


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33. The Messenger

Nur wenige Spiele haben mich dieses Jahr so zur Weißglut getrieben wie The Messenger in seinen schlimmsten Momenten. Ein knallharter Ninja Gaiden-ähnlicher Platformer? Gut! Ninja Gaiden-Gameplay in eine viel zu backtracking-lastige Metroidvania-Welt gepresst? Furchtbar! Hier funktioniert das Konzept vorne und hinten nicht. Haben die Metacritic-Reviewer nur die erste Hälfte gespielt? Wo kommt diese 86 her? Lest hier, wieso meine Meinung die richtige ist.


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32. Kirby Star Allies

Nachdem die Kirby-Reihe sich über die letzten Ableger immer weiter gesteigert und im grandiosen Planet Robobot ihren Zenit erreicht hat, geht es hier bergab. Trotz 30fps und dem Innovationsgehalt einer Butterbrotdose weiß Kirby Star Allies zumindest visuell zu unterhalten. Noch nie war Kirby so knuffig – und das, werte Leser, will schon was heißen!


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31. The Fall 2: Unbound

Sci-Fi der besten Sorte. Wie in Asimovs I, Robot geht es in dieser Spielereihe darum, die KI verschiedenster Androiden und Maschinen auszutricksen. Währenddessen befindet sich die ebenfalls robotische Protagonistin auf einem philosophischen Selbstfindungstrip. The Fall 2 ist genau wie der Vorgänger, nur deutlich länger. Dabei konnte ich die kryptischen Point and Click-Rätsel schon dort kaum ertragen. Was man für eine tolle Erzählung nicht alles in Kauf nimmt…


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30. Pokémon Let’s Go Evoli

Da kommt endlich das langerwartete Pokémon-RPG für den TV und dann sowas! Die unnötige Beschränkung auf einen Joy-Con gepaart mit der unpräzisesten Bewegungssteuerung seit Wii-Zeiten machen das Spielen am TV zum Albtraum. Ansonsten ist Let’s Go Evoli ein solides, wenn auch mit minimalem Aufwand zusammengeklöppeltes Pokémon-Spiel. Dass mich das nach Sonne und Mond positiv stimmt, sagt alles über den Status Quo der Reihe.


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29. Assassin’s Creed Odyssey

Ich liebe Kassandra. Ohne die charmante Protagonistin hätte ich meine Odyssee schon weitaus früher beendet. Sie konnte mich allerdings nicht aus dem Laufrad des endlosen EXP-Grinds retten. In Assassin’s Creed Odyssey hat alles einen Level. Und wehe, du bist auch nur zwei Level zu schwach! Siehst du dieses Huhn? Es ist auf Level 40! Renn um dein Leben!

Zuweilen fühlt das antike Griechenland sich eher nach einer Excel-Tabelle, denn nach einer organischen Spielwelt an. Das ist wirklich ärgerlich. Denn rein spielmechanisch ist Odyssey der bisher rundeste Serienableger.


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28. A Robot Named Fight!

Dieses Spiel schreit TRASH. A Robot Named Fight packt Super Metroid und stopft es in ein Roguelike-Gerüst. Als Metroidvania-Roguelike funktioniert es um Welten besser als Dead Cells, welches häufig mit diesem Terminus beschrieben wurde. Die Steuerung ist ähnlich träge wie die von Super Metroid, ohne allerdings deren Flexibilität einzufangen. Nichtsdestotrotz: Eine atmosphärische Empfehlung mit Trashfaktor für jeden Metroid-Fan! Hier gibt es meine volle Kritik.


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27. Monster Hunter World

Wenn das hier der einsteigerfreundlichste Serienableger sein soll, bin ich froh, nicht früher eingestiegen zu sein. Selbst nach über zwanzig Stunden hatte ich bestenfalls einen zweckdienlichen Überblick über die unzähligen Systeme und Mechaniken. Was habe ich mit meinen Freunden über dieses Spiel diskutiert… Egal, was ihr sagt: Die Einführung ist unentschuldbar, die Steuerung ist nicht so präzise wie sie sein könnte und die Repetition des Gameplay-Loops ist ohne geselligen Party-Chat kaum ertragbar. Monster Hunter World war für mich aber trotzdem… ein Erlebnis.


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26. Ashen

Dark Souls mit Open World-Schlauch und Ubisoft-Fetchquests. Klingt pfui. Ist aber wunderschön und auf seltsame Weise meditativ. Vom einzigartigen Koop-Feature des Spiels habe ich seltsamerweise nicht viel mitbekommen. Eigentlich sollten andere Spieler fließend die KI-gesteuerten NPC-Partner übernehmen und sich so unbemerkt unterstützen – ein wenig wie in Journey.

Ashen stellt Kameradschaft buchstäblich in den Mittelpunkt der Spielwelt. Das Suchen nach Items für meine kleine Siedlung hat mir viel Freude bereitet. Es hätte mir sogar noch mehr Freude bereitet, hätte das Spiel auf meiner Ur-Xbox One nicht mit so heftigen technischen Macken zu kämpfen. Slowdowns, Input Lag, Abstürze… Im jetzigen Zustand wird jeder halbwegs herausfordernde Kampf zum Frustfest. Ich warte nach meinen ersten zehn Stunden dann erstmal auf einen Patch…


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25. Guacamelee 2

Dieser Nachfolger ist so solide, dass sich im Vergleich zum Vorgänger kaum etwas geändert hat. Besonders die erste Hälfte hat mich deswegen sehr gelangweilt. Hinterher waren die kreativen Platforming-Passagen und spannenden Prügeleien dennoch so fesselnd wie im Erstling. Auch der Humor sitzt immer noch – aber was ist das bitte für eine sinnlos verschachtelte Multidimensions-Story? Mehr zum Spiel in meiner Kritik.


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24. Dead Cells

Mit Dead Cells hatte ich einige meiner intensivsten Spielerlebnisse des Jahres. Kampfmechaniken und Atmosphäre sind absolut on point. Schade nur, dass jeder der dutzenden Tode mit einem unerträglichen Grad an Backtracking bestraft wird. Wieso gibt es hier keine optionalen Rücksetzpunkte? Ich weiß, es ist ein Roguelike. Aber hätte es Dead Cells wirklich geschadet, kein Roguelike zu sein?


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23. Yoku’s Island Express

Metroidvanias gibt es wie Sand am Meer. Aber Metroidvanias mit einer Pinball-Mechanik als primäres Mittel zur Fortbewegung? Diese einzigartige Prämisse, gepaart mit einer kunterbunten handgezeichneten Kulisse hebt Yoku’s Island Express in die Riege der frischesten Wohlfühl-Spiele des Jahres. Ein Spiel ohne eklatante Schwächen.


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22. Super Mario Party

Es wirkt ein wenig geleckt, reduziert und lasch. Aber immerhin ist die Mario Party-Reihe endlich zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Der Versuch, das Spiel fairer und freundlicher zu gestalten, platziert es ein wenig zwischen den Stühlen. Denn nun ist es weder fair, noch so unfair, dass die altbekannten WTF-Situationen entstehen, welche die Spieler vorm TV toben lassen wie besoffene Dortmund-Fans im RE1.

Vor jedem Mario Party-Abend schließt man doch ohnehin einen Pakt mit dem Spiel: „Ich weiß, du bist scheiße. Du weißt, ich bin scheiße. Aber mit den richtigen Leuten (und genug Bier) bist du auch im Ü12-Alter noch unterhaltsam.“


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21. Donut County

Das alles verschlingende Loch von Donut County wirkt auf seltsame Weise meditativ. Mit seinen circa 90 Minuten Spieldauer ist Donut County ein leckerer Snack für Zwischendurch. Man hätte aus der Loch-Mechanik aber doch ein wenig mehr machen können. Die wenigen vorhandenen Rätsel sind doch ganz nett. Wieso müssen wir dann die meiste Zeit nur Gegenstände von klein nach groß sortieren und der Reihe nach verschlingen?


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20. Return of the Obra Dinn

Anders als L.A. Noire schaffte Return of the Obra Dinn tatsächlich, mich beim Spielen wie ein Detektiv fühlen zu lassen. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass das Spiel ähnliche Kompetenzen erfordert wie eine echte Ermittlung: Hingucken, zuhören, vergleichen, kombinieren. So genial ich Artdesign, Mystery-Geschichte und Zeitreise-Mechanik finde – mich hat irgendwann alles überfordert. Vielleicht hätte ich zwischendurch keine mehrtägige Pause einlegen sollen.

Am Ende des Spiels stand ich vor einem Berg voller Unbekannten – ohne die Motivation für mehr Quervergleiche. Prinzipiell weiß ich, was das Spiel von mir will. Die Hilfsmittel, die das Spiel bietet, sind allerdings nicht ausreichend, um Obra Dinn von purer Arbeit zu einer spannenden Herausforderung zu verwandeln. Eine Direktauswahl der dutzenden einzelnen Vignetten per Menü wäre das Mindeste gewesen. Wer soll sich auf diesem Leichenberg bitte zurechtfinden? Auch das Vermerken von Mördern anhand ihrer Gesichter wäre nur schlüssig gewesen. Denn der opulente Grafikstil bringt heftige Nachteile mit sich: Zu viele der circa 60 Charaktere sehen sich viel zu ähnlich. Auch das Untersuchen der Umgebung wird durch die Lo-Fi-Optik erschwert.


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19. Dandara

Schon wieder ein Metroidvania! Diesmal kann die Protagonistin sich nur durch lineare Wandsprünge fortbewegen. Faszinierend, wie eine kleine Änderung in der Fortbewegung zu solch einem frischen Spiel führen kann. Zuweilen wird das ständige Drehen der Räume etwas verwirrend. Das wilde Hüpfen zwischen Decke, Wand und Boden bleibt aber aufregend genug, um das zu entschuldigen. Auch die von brasilianischer Kultur inspirierte Ästhetik ist angenehm unverbraucht. Mehr zu Dandaras einzigartiger Spielmechanik in meiner Kritik.


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18. Mario Tennis Aces

Das beste Fighting Game ohne Körperkontakt. Mario Tennis Aces bietet die spannendsten Kopf-an-Kopf-Duelle seit Bloodborne. Die vielen Spezialtechniken machen die Steuerung beinahe zu überladen. Selbst im Simple Mode hatte ich online aber massig Spaß… bis die Lobbys sich mit dem Start von Nintendos Online Bezahl-Service rapide geleert haben. Heute sind dort nur noch Tennis-Jedis unterwegs. Der bescheidene Story-Modus hilft da leider nur wenig. Angeblich wurde letzten Monat endlich ein „Neustart“-Button hinzugepatcht – der Anteil der repetitiven Dialoge mit Toad dürfte also um 90% gesenkt sein. Wieso nicht gleich so?


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17. Full Metal Furies

Potthässliches Spiel, aber spielerisch großartig. Der coolste 2D-Brawler seit Castle Crashers, mit spannenden Bossen, tollen Movesets und einem gesunden Maß an Exploration. Die experimentellen Rätsel nach dem Durchspielen habe ich größtenteils mit einem Walkthrough gelöst (irgendwann wurde es einfach zu konfus), aber das hat sie nicht weniger interessant gemacht. Eine vollständige Kritik gibt es hier.


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16. God of War

Das erste God of War, in dem Kratos erträglich war. Das Spiel ist audiovisuell ein Hochgenuss – ich mochte sogar das Mittendrin-Gefühl der engen Kameraperspektive. Spielerisch gefiel mir das Spiel besser als erwartet, auch wenn die RPG-Mechaniken aufgesetzt wirkten. Level- und Gegnerdesign wurden zum Ende hin ebenfalls immer eintöniger.

Die Erzählung ist das Vorzeigebeispiel fürs Prädikat „Gut für ein Spiel“ – vielleicht sogar sehr gut. Trotzdem sehe ich keine mögliche Zukunft, in der ich God of War noch einmal durchspielen werde. Dafür mangelt es einfach zu sehr an motivierendem Gameplay im Verhältnis zu einer solch ausufernden Spieldauer.


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15. Octopath Traveler

Ich kenne kaum ein anderes Spiel, dessen Höhen so hoch und dessen Tiefen so tief waren. In Octopath Travelers besten Momenten klebte ich von morgens bis abends an der Optimierung meiner Charakterklassen. Und dann gab es die zahlreichen Stunden, in denen ich am liebsten meine Augen und Ohren vom Gesicht gerissen hätte, nur um die Dialoge einiger (vieler) Charaktere nicht mehr ertragen zu müssen.

Ich hätte die Cutscenes auch einfach überspringen können. Aber die wenigen Leuchtturm-Momente, die das Spiel hatte, ließen mich immer auf positive Überraschungen hoffen. Die Enden der acht Erzählstränge wirken ohne das absurd grind-lastige Post Game etwas lose. Ich sah aber auch nicht ein, nur dafür noch weitere zwanzig Stunden auf meine 55 draufzupacken. Das hast du dir nicht verdient, Spiel.


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14. Yakuza Kiwami 2

Leider fehlt Yakuza 6 auf dieser Liste, weil mir auf dem chronologischen Weg zum Finale noch einige Titel fehlen. Yakuza Kiwami 2 zeigte mir jedoch schon dieses Jahr, zu was ein Yakuza-Spiel mit moderner Engine fähig ist. Noch nie hat mir das Erkunden von Kamurocho so viel Spaß bereitet. Auch die Sidequests von Kiwami 2 waren fast auf einem Level mit Yakuza 0. Lediglich die Hauptgeschichte lag immer noch hinter Yakuza 0 zurück – auch wenn sie fesselnder war als die von Kiwami 1.


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13. Into the Breach

Ich spiele zwar kein Schach, aber ich stelle mir Schach ähnlich elegant und rund vor wie die Rundenstrategie von Into the Breach. Hier greift wirklich alles ineinander. Die kleinen Maps, kurzen Runden und einstelligen Zahlenwerte machen das Spiel einfach zu begreifen. Gleichzeitig bietet der Zwang zur ständigen Improvisation endlosen Raum zum Optimieren der eigenen Taktik.

Ich stand in Into the Breach fast immer mit dem Rücken zur Wand. Diese extreme Anspannung führte dazu, dass ich häufig Respekt davor hatte, das Spiel im Switch-Menü anzuklicken. Dafür, dass es mir so gut gefallen hat, habe ich erstaunlich wenige Stunden mit Into the Breach verbracht. Wie schon bei Dead Cells hat auch das Roguelike-Prinzip von Into the Breach mich davon abgehalten, das Spiel voll und ganz zu genießen.


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12. Tetris Effect

Tetris ist gleichzeitig das eckigste und das rundeste Spiel aller Zeiten. Daran hat sich nichts geändert. Dieser neueste Ableger hebt das alte Konzept auf eine komplett neue Ebene. Das Zusammenspiel von Bild und Ton macht Tetris zu einem hypnotischen Erlebnis für die Sinne. Jedes Drehen, Senken und Bewegen eines Steins wird zu Musik verwandelt. Tetris Effects dynamischer Soundtrack ist eine der elegantesten Verwendungen von Videospielmusik überhaupt.


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11. GRIS

Gris verkörpert die Art von Schönheit und Eleganz, die über Stunden hinweg hypnotisiert. Wie auf einer Welle bunter Farben glitt ich durchs Spiel. Gris ist einfach nur betörend schön. Vielleicht ist es eines der schönsten Spiele, die ich je gespielt habe. Ich habe der Schönheit von Gris bereits einen ganzen Blogpost gewidmet. Das sollte eigentlich alles sagen, was es hier zu sagen gibt.


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10. Super Smash Bros. Ultimate

Das beste Multiplayer-Smash für Leute, die nicht nur Final Destination ohne Items spielen. Smash Bros. Ultimate lässt wenige Wünsche offen und wird in den kommenden Jahren garantiert zum Dauerbrenner. Ich habe mich schon bei Brawl gefragt, wieso Dark Samus nicht spielbar war. Nun habe ich nicht nur Dark Samus, sondern sogar Ridley bekommen! Leider haben die Entwickler es immer noch nicht geschafft, die konzentrierte Qualität von Melees Event-Modus zu replizieren. Die aufgesetzten RPG-Mechaniken des Adventure-Modus gingen mir so schnell auf den Sack, dass ich den Modus bisher kaum angerührt habe. Dafür habe ich aber über 40-mal den Classic Mode beendet. Dieser ist in Ultimate so gut wie nie zuvor!


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9. Iconoclasts

Iconoclasts war nicht ganz das, was ich vorm Spielen erwartet hatte. Für ein Quasi-Metroidvania hatte es überraschend viele Dialoge. Diese verloren sich gerne mal in Worldbuilding-Gewäsch, wie man es sonst von Final Fantasy gewohnt ist. Dass dieses Januar-Spiel trotzdem so einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, liegt vor allem an seiner ausgeprägten Identität. Die Pixeloptik ist ausdrucksstark und die zahlreichen Charaktere erinnerungswürdig. Einige Längen im Spielverlauf hätten noch ausgebügelt werden können, aber die spektakulären Actionszenen und Bossfights gleichen alles aus.


41 florence.png 8. Florence

In seinen gerade mal 30 Minuten erzählt Florence die rührende Geschichte eines jungen Liebespaares. Florence kommt komplett ohne Worte aus und bedient sich stattdessen cleverer expressiver Spielmechaniken. Die Geschichte, die es erzählt, ist so alltäglich, dass es schwerfällt, sich nicht in ihr wiederzufinden. Lest hier mehr darüber, was Florence so besonders macht.


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7. Astro Bot Rescue Mission

Mark Brown sagte treffend: „Stünde auf diesem Spiel der Name ‚Super Mario’, wäre es schon jetzt der Kritikerliebling des Jahres.“ Ich kann ihm nicht widersprechen. Aber aus einem etwas anderen Grund. Wie Astro Bot das 3D-Platformer-Genre in VR überträgt, ist wahrlich revolutionär. Jeder einzelne Level löst Wow-Momente im Minutentakt aus. Das reicht, um Astro Bot zu einem der herausragendsten Spiele des Jahres zu machen.

Es mangelt Astro Bot aber an Finesse im Leveldesign sowie einer einprägsamen eigenen Identität. Beides ist in Astro Bot vorhanden – allerdings weit entfernt von der Perfektion eines Super Mario. Es beginnt schon beim Namen des Spiels. „Astro Bot Rescue Mission“ klingt so generisch, dass ich das Spiel beinahe übersehen hätte. Auch das Charakterdesign ist in Action zwar durchaus charmant, schafft es aber nicht, eine emotionale zu Bindung zu irgendwas aufzubauen, was im Spiel passiert. Dabei ist man doch so nah dabei…


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6. The Missing: J.J. Macfield and the Island of Memories

Als ich gehört habe, dass dieses Spiel vom Deadly Premonition-Macher stammt, habe ich gleich mit dem hakeligsten Spiel des Jahres gerechnet. So schlimm war es dann aber gar nicht. Die Puzzles rund um das Verstümmeln und kreative Verwenden eigener Körperteile gefielen mir überraschend gut. Sogar besser als in ähnlichen Spielen wie Inside.

Aber wieso steht The Missing so weit oben in dieser Liste? Diese Frage lässt sich schwierig beantworten, ohne das gesamte Spiel zu spoilern. Halten wir einfach fest: The Missings Handlung voller Fragen über Identität und Intoleranz lässt ach-so-erwachsene Geschichten wie die von God of War vor Scham erblassen. Macht es wie ich – kauft das Spiel blind und lasst euch erschüttern. The Missing ist es definitiv wert.


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5. Dragon Quest XI

Die Dragon Quest-Reihe dreht den Wohlfühl-Regler erneut auf Anschlag. Dialoge, Artdesign und Spielgefühl sind an einem neuen Höhepunkt angelangt. Vor allem die Hauptcharaktere sind eine der nettesten JRPG-Truppen, die ich je kennengelernt habe. Im Gegensatz zu Dragon Quest VII oder VIII gab es diesmal auch fast gar keine Längen.

Dragon Quest XI bietet Oldschool-Gameplay, ohne sich dabei veraltet anzufühlen. Auch die Schwierigkeitskurve war für mich perfekt ausbalanciert und erforderte keinerlei Grind… Dabei bin ich wirklich vielen Gegnern auf der Map ausgewichen. Eines der rundum gelungensten RPGs, die ich je gespielt habe. Wer noch nie Dragon Quest gespielt hat, darf sich gerne von dieser Lobeshymne überzeugen lassen.


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4. Spider-Man

„Es lässt dich fühlen wie Spider-Man!“ Googelt man dieses Zitat, spuckt die Suche Ergebnisse im sechsstelligen Bereich aus. Aber es ist doch auch wahr. Ich habe von Spider-Man nach den E3-Trailern nicht viel erwartet. Es sah einfach zu generisch, zu sehr nach typischem AAA und typischer Open World aus. Was ich bekam, war der spielmechanisch befriedigendste AAA-Titel des Jahres. Sogar die Story hat mich mehr gefesselt als die hochgelobte Erzählung von God of War. (Ja, ich höre gleich mit den Seitenhieben auf.)

Dass ich so gut darin bin, Sidequests auszublenden, hat mein Erleben der Hauptquest positiv beeinträchtigt. Außerdem konnte ich mich so nach dem Durchspielen ganz gemütlich durch die letzten 154.829 Collectibles arbeiten. Diese sind eine willkommene Ausrede, um einfach ein wenig durch die Stadt zu schwingen. Noch heute habe ich Entzugserscheinungen.


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3. CrossCode

Meine absolute Überraschung des Jahres. Dabei hatte ich von CrossCode bis zwei Wochen nach Release noch nie gehört. Dieses 2D-Zelda meets JRPG meets Anime-Cyberpunk wirkt so erfrischend wie kein anderes Spiel dieses Jahres. Sämtliche Kernideen zünden: Die Geschichte ist packend, die Charaktere charmant, die Welt zauberhaft, das Kampfsystem vielseitig und aufregend.

Und die Dungeons – oho, die Dungeons! Könnten wir es hier mit den besten Zelda-esken Puzzles seit Oracle of Ages zu tun haben? Und das praktisch komplett ohne bei Zelda abzukupfern? Allein die Vertikalität im Design der Draufsicht-Areale ließ mich rätseln, wieso sich nicht viel mehr Spiele dieser Dynamik bedienen. Wer auf Zelda und Action-RPGs steht, ist es sich schuldig, spätestens bei der kommenden PS4-Version zuzuschlagen.


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2. Red Dead Redemption 2

Was habe ich dieses Spiel zu Beginn gehasst… Wie ich bereits bei Spider-Man geschrieben habe: Ich bin sehr gut darin, durch Open World-Spiele zu sprinten. Hat mir dieses Talent in Spider-Man noch geholfen, so bin ich in RDR2 quer auf die Fresse geflogen. Dieses Spiel erfordert Zeit. Erst als ich anfing, es zu spielen wie einen Walking Simulator, konnte ich die Genialität wahrlich wertschätzen.

Erzählerisch und atmosphärisch bewegt RDR2 sich auf derart hohem Niveau, dass mich das rigide Missionsdesign nur selten störte. Die großartigen Charaktere, allen voran Protagonist Arthur Morgan, stemmen die monumentale Erzählgewalt des Spiels auf ihren Schultern. Ich mag es kaum aussprechen, aber am Ende habe ich sogar die Sandsack-Steuerung zu schätzen gelernt. RDR2 ist wahrlich wie ein Ausflug in eine andere Zeit. Als hätte man Herman Melvilles Moby Dick selbst miterlebt. Und dabei mag ich Rockstar doch eigentlich gar nicht so sehr.


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1. Celeste

Gleich im Januar war mir klar: Das könnte die Nummer 1 werden. Ich habe mir selbst gewünscht, dass noch das Hammerspiel kommen würde, welches Celeste entthront. Doch trotz enger Anwärter wie RDR2 oder CrossCode stagnierte der Kampf um die Krone für zwölf Monate. Um das „Langweilige“ aus dem Weg zu räumen: Celeste ist ein spielmechanisches Meisterwerk. Platforming-Kunst auf höchstem Niveau, ohne jemals eintönig oder frustrierend zu werden. Selbst in der achten Bonus-Welt nach dem Abspann hatte ich noch den Willen, weiterhin den Mount Celeste zu erklimmen.

Was Celeste für mich zur unangefochtenen Nummer 1 des Jahres (und zu einem der besten Spiele dieses Jahrzehnts) macht, ist die Art und Weise, auf die es Gameplay und Story verknüpft. Es gibt wohl kein Genre, welches sich weniger für Storytelling eignet als den Präzisionsplatformer. Falsch gedacht! Celeste verknüpft herausforderndes Hüpfen mit dem Erklimmen eines Berges als Analogie fürs Bewältigen einer Depression… Was für eine sagenhafte Idee!

Dass dieses Spiel es mit nur wenigen Zeilen Text schafft, bei mir stärkere Emotionen auszulösen als Red Dead Redemption 2 mit seinem 2,000 Seiten-Drehbuch, zeigt, wozu das Medium Videospiel fähig ist. Die Interaktivität des Spiels verstärkt die Geschichte auf eine Weise, wie es kein geschriebener oder gesprochener Dialog je könnte. Abgerundet wird das Ganze von einem meisterhaften Soundtrack sowie einer wunderbar klaren Optik. Bei Celestes Atmosphäre wird mir kalt und warm zugleich. Es ist vielleicht eines meiner liebsten Spiele aller Zeiten.


Mich würde mal interessieren, ob irgendwer tatsächlich alle Einträge gelesen hat. Falls nicht – auch nicht schlimm! Teilt mir einfach trotzdem in den Kommentaren (oder auf Twitter / Instagram) mit, was eure persönlichen Spiele des Jahres waren. Ich liebe es wirklich viel zu sehr, über so einen Quatsch zu diskutieren. Alle Meinungen werden toleriert… außer Detroit: Become Human auf Platz 1!