Erstveröffentlicht auf Spielkritik.com am 06. November 2018.


Full Metal Furies, das zweite Spiel der Rogue Legacy-Entwickler Cellar Door Games, erschien zu Beginn des Jahres für PC und Xbox One. Dort erfreute es sich allerdings eher mäßiger Popularität. Grund genug, das Spiel zum aktuellen Switch-Release nochmal vorzustellen. Die folgenden Eindrücke und Screenshots stammen allesamt aus der Xbox One-Version, sollten aber nicht zu sehr von der Switch-Fassung abweichen.

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Full Metal Furies erzählt die Geschichte von…

Nein, eigentlich sollte man die Story dieses Spiels sofort ignorieren. Die Dialoge stecken voller peinlichem Humor und unterbrechen ständig das Gameplay. Offensichtlich haben die Entwickler bereits geahnt, dass sie hier nicht gerade Hamlet geschrieben haben. Deshalb existiert im Options-Menü des Spiels ein Schalter, welcher sämtliche Dialoge deaktiviert – diese Option sei allen Spielern ans Herz gelegt.

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Full Metal Furies ist ein 2D-Brawler der Sorte Final Fight, Streets of Rage oder Castle Crashers. Ein wahres Traditionsgenre der Spielgeschichte, welches keiner weiteren Erklärung bedarf – und doch ist es in der retrophilen Indie-Szene überraschend spärlich vertreten. Umso besser, dass Full Metal Furies erstklassige Vier-Spieler-Koop-Action bietet – sowohl lokal, als auch online. Jede/r Spieler/in steuert jeweils eine der vier Heldinnen, Triss, Alex, Erin und Meg.

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Wie in jedem anderen 2D-Beat ’em Up bewegen die Spieler sich von links nach rechts durch lineare Level und prügeln Gegnermassen vom Bildschirm. In Full Metal Furies gibt es zusätzlich noch ein wenig Exploration nach Norden und Süden sowie zahlreiche Geschicklichkeitspassagen in der Levelumgebung. Bereits zu Beginn des Spiels ist der Schwierigkeitsgrad relativ fordernd. Die Spieler müssen schnell erlernen, eine breite Palette verschiedener Gegnertypen zu handhaben. Ist diese Einstiegshürde erst überwunden, werden besagte Gegnertypen für den restlichen Spielverlauf in so vielen originellen Konstellationen und Szenarien präsentiert, dass es bis zum Abspann nur selten langweilig wird.

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Auch, dass Einzelspieler stets zwei der insgesamt vier spielbaren Charaktere gleichzeitig kontrollieren, erfordert zuerst ein wenig Eingewöhnung. Die zwei gesteuerten Charaktere lassen sich in diesem Fall blitzschnell per Tastendruck wechseln – eine Mechanik, welche dem Spiel nach kurzer Eingewöhnung einen großartigen und einzigartigen Twist verleiht. Generell sind die ausgeprägten Stärken und Schwächen jedes Charakters der größte Pluspunkt des Spiels.

Es macht einen erheblichen Unterschied, ob man als Tank, Fighter, Engineer oder Sniper durch die Level zieht. Einzig, dass viele Gegner farbcodierte Schutzschilde haben, welche nur von einer bestimmten Klasse durchbrochen werden können (nie eine, welche man gerade nicht im Schlepptau hat), mutet visuell ein wenig unkreativ an. Abgesehen davon überzeugt Full Metal Furies durch eine große Fülle intuitiver Combos und Skills für jeden Charakter. Diese müssen von den Spielern gemeistert werden, um die zunehmend komplexeren Strategien – vor allem während der intensiven Bosskämpfe – zu meistern.

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Die vielseitigen und sinnvollen Charakterupgrades sorgen für ein stetiges Gefühl von Progression. Das einzige Ärgernis ist, dass die zwei der vier Charaktere, welche im Singleplayer-Modus auf der Bank bleiben, nicht automatisch mitleveln. So bleiben sie einmal zurückgelassen, immer zurückgelassen. Neben den Hauptmissionen bietet Full Metal Furies zahlreiche optionale Level, welche abwechslungsreiche, kompakte Herausforderungen mit ansprechenden Belohnungen enthalten.

Das Spiel hat eine Länge von circa zehn Stunden und ist somit nur bedingt dazu geeignet, an einem einzigen Couch-Koop-Abend mit Freunden durchgespielt zu werden. Immerhin leidet es, trotz dieses Umfangs, zu keinem Zeitpunkt unter artifizieller Streckung der Spielzeit.

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Puzzle ’em Up?

Die in der Überschrift erwähnten Rätsel gewinnen vor allem nach dem Durchspielen der „Hauptstory“ an Bedeutung. Um den wahren finalen Endgegner des Spiels zu erreichen, müssen die Spieler diverse, teils Level-übergreifende Rätsel lösen. Allein deren Fundorte erfordern ein gehöriges Maß an Wachsamkeit. Einige dieser Rätsel sind ziemlich unmissverständlich und geradlinig, die Mehrzahl ist allerdings eher abstrakt und teilweise regelrecht konfus. Häufig geht es um das Knacken von Codes oder das Finden obskurer Geheimgänge.

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Die Puzzles sind eine spannende Dreingabe, welche allein dadurch, dass man sie in dieser Form niemals in einem 2D-Brawler erwarten würde, positiv hervorsticht. Hat man keine Lust, tagelang vorm Fernseher zu meditieren, tut es auch nicht weh, die verbleibenden paar Rätsel mit einem Walkthrough zu lösen und einfach nur den Einfallsreichtum der Entwickler zu bewundern.


Das hässliche Entlein

Nach all diesem Lob stellt sich die Frage, wieso Full Metal Furies bisher solch ein Geheimtipp ist. Ein naheliegendes Kriterium für den mäßigen Erfolg – abseits der Vermarktung – könnte die Ästhetik des Spiels sein, welche auf einer Skala zwischen „unspektakulär“ und „seltsam inkohärent“ hin und her pendelt. Die Entwickler kombinieren krude Pixelart-Charaktersprites mit bestenfalls zweckmäßigen handgezeichneten Umgebungen. Das Ergebnis dieses unstimmigen Gemischs ist eine generische Optik ohne jeglichen Charakter mit minimalem Wiedererkennungswert.

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Trotz spielmechanischem Hochglanz mangelt es Full Metal Furies an Seele. So ist der größte Kritikpunkt, dass das Spiel nicht nur beim Spielen, sondern auch beim Ersteindruck durch Screenshots und Trailer austauschbar und uneinladend wirkt. Selbst nach dem Spielen blieben bei mir keine wohligen Emotionen zurück, wie ich sie beispielsweise mit Cuphead verbinde. Außer vielleicht: Ich hatte für einige Tage wirklich viel, viel Spaß mit diesem spielerisch großartigen 2D-Brawler. Und manchmal ist das ja auch mehr als genug.

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