Dass ich niemandem etwas Neues erzähle, wenn ich darüber schreibe, dass The Legend of Zelda aus dem Jahre 1986 ein absoluter Klassiker ist, ist mir durchaus bewusst. Dennoch habe ich das Gefühl, dass dieses NES-Urgestein während der letzten paar Jahre von der breiten Allgemeinheit zu häufig als „schlecht gealtert“ abgetan wurde.

Der neue Online-Service der Nintendo Switch ist wirklich nicht so der Bringer. Das Traditionsunternehmen Nintendo hat mal wieder bewiesen, dass es bei jedem Schritt nach vorne am liebsten gleich zwei wieder zurückgeht. Doch auch wenn die Software-Auswahl des Abo-Service, bestehend aus 20 NES-Spielen schwankender Qualität, sehr zu wünschen übriglässt, ist Zelda 1 – zusammen mit Super Mario Bros. 3 natürlich – immer noch ein Lichtblick.

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Ich, 1994 geboren und somit fast zehn Jahre jünger als das erste Zelda, kam zum ersten Mal mit Zelda 1 in Berührung, als ich es im Rahmen der NES Classics für den Game Boy Advance „genießen“ durfte. Das müsste so um 2004 herum gewesen sein. Ich war zu diesem Zeitpunkt mit meiner Familie im Urlaub an der Nordsee und… nun ja, so aufregend war der Urlaub für einen Zehnjährigen nicht unbedingt. Umso glücklicher war ich, als ein Laden in dem Dorf, in dem wir uns aufhielten, ein paar GBA-Spiele im Sortiment hatte.

Als junger Connaisseur, der ich war, habe ich mich natürlich für das Zelda-Spiel aus den 80ern entschieden. Schließlich hatte die N-Zone dem Teil damals eine recht gute Wertung gegeben. Außerdem hatte ich sämtliche andere zu diesem Zeitpunkt erhältlichen Handheld-Zeldas bereits zigmal durchgenudelt. Der Budget-Preis von 20€ könnte ebenfalls eine Rolle gespielt haben – das war damals ein freundlicher Preis für Opas Portmonee und zufälligerweise derselbe Preis, den man heute für ein Jahr des Switch Online-Service zahlt.

Wer denkt, dass nun die Nostalgie-verblendete Schilderung einer kindlichen Nordsee-Romanze mit Zelda 1 folgt, liegt leider falsch. Mein zehnjähriges Ich fand das Spiel absolut beschissen und war höchst irritiert über das erstandene Produkt. Das war also ein NES-Spiel. Meine erste Berührung mit Software dieser Konsole.

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Geeignet für Allergiker 

Nun eine rasche Blende vorwärts ins Jahr 2013. Mein nun 18-jähriges Ich sitzt an einem schönen Sonntagmorgen im Juni auf seinem Sofa – leider geplagt von heftigem Heuschupfen (sowie minimal verkatert). Was macht man an einem solch sonnigen Tag, verschanzt in totaler Isolation, auf der Flucht vor heftigen Niesattacken? Richtig! Man verdunkelt den Raum und sucht sich ein Spiel, das im Optimalfall bis in die Abendstunden unterhalten kann.

2013-Ich hatte aber – ob man es glauben mag oder nicht – noch nicht den Backlog™,über welchen sich gefühlt jeder Hobbyist heute ächzend beklagt. Ich habe also ganz tief gewühlt und mich letztendlich dazu entschieden, mit Zelda 1 auf der Wii-Virtual Console endlich die offene Rechnung des Nordsee-Urlaubs 2004 zu begleichen.

Ich war selbst davon überrascht, wie viel Spaß ich mit diesem Spiel hatte. Selbstverständlich habe ich mich mit einer ausführlichen Map sowie ein paar anderen Hilfestellungen aus dem Netz durch das Abenteuer geschlagen. Aber meiner Meinung nach ist das die optimale Weise, auf die neue Spieler im aktuellen Jahrzehnt dieses Spiel angehen sollten. Schließlich hatte selbst die Ur-Generation von Nintendo-Fans ihre Hilfestellung in Form des Nintendo Power-Magazins.

Selbst mit meiner digitalen Karte und ein paar Tipps bezüglich der Anwendungsfälle bestimmter Items hatte ich das Gefühl eines echten Abenteuers. Damals, zu einer Zeit, in welcher ich mich mit meinem Spielekonsum weitgehend auf fünf bis sechs Mainstream-Releases pro Jahr beschränkt habe, tat es mir gut, von einem Spiel mal wieder ein wenig auf die Füße getreten zu werden.

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Da ich die Wii-Virtual Console benutzt habe, hatte ich noch nicht den Luxus der Schnellspeicherstände der Wii U-Emulation. Jeder Tod wog schwer und wollte um alle Umstände mittels der kruden, aber nach kurzer Eingewöhnung eigenwillig intuitiven Kampfmechaniken abgewandt werden. Doch trotz dieser gewissen Widerspenstigkeit des Spiels erreichte der Frustfaktor nie die Gefilde anderer NES-Klassiker wie z.B. eines Metroid. Die Herausforderungen von The Legend of Zelda bewegten sich stets in einem Rahmen, den selbst mein restalkoholisiertes, verschnupftes Ich bewältigen konnte.

Selbst im Jahr 2013 konnte mich die Einzigartigkeit dieses schamlos kryptischen Spiels verzaubern. Auch aus rein ästhetischer Sicht hat Zelda 1 einen unvergleichbaren Charme, dessen Kultfaktor sich in Zukunft nur verstärken dürfte. Es bedarf gewiss einer kurzen Eingewöhnungsphase, während der man sich mit den archaischen Mechaniken des Spiels akklimatisieren muss. Hat man diese Hürde aber erst überwunden, eröffnet sich hier ein wunderbar zugängliches Stück Videospielgeschichte.

Nach etwa sechs Stunden des Spielens ohne Pause liefen dann die Credits über den Bildschirm. Neben einem Gefühl des Stolzes erfüllte mich tiefste Ehrfurcht vor diesem Meilenstein des Mediums. Zelda 1 ist ein Spiel, mit dem jeder Fan der Zelda-Reihe sich mal ausführlicher beschäftigen sollte – einfach die Wurzeln des Genres danach noch mehr wertschätzen zu können. Mit dem zusätzlichen Komfort der neuen Switch-Version und ihren Schnellspeicherständen gibt es eigentlich keinen Grund mehr, vor dieser Aufgabe zurückzuweichen. Auch wenn ich anhand meiner Erfahrungen aus erster Hand tatsächlich empfehlen würde, das Spielerlebnis vorerst so authentisch wie möglich zu halten. Wer Zelda 1 bisher noch nie richtig gespielt hat, kann also zumindest ein Quäntchen Freude aus Nintendos peinlichem neuen Online-Service extrahieren.

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Beweisfoto vom 09. Juni 2013 – Authentizität erkennbar an Qualität der Handykamera