Zu Teil 1 der Liste geht es hier entlang.

  1. Splatoon 2

Ich bin kein sonderlich großer Fan von Multiplayer-Shootern. Aber Splatoons semipazifistischer Spielansatz ist einer, mit dem ich mich schon im Wii U-Debüt anfreunden konnte. Leider habe ich Splatoon 1 allerhöchstens drei bis fünf Stunden im Multiplayermodus gespielt. Grund dafür war in erster Linie der Zwang, mit dem klobigen Backstein-Gamepad der Wii U zu spielen. Dieser Zwang gehört mit Splatoon 2 endlich der Vergangenheit an. Abseits der großartigen PvP-Modi begeisterte mich das Spiel ausgerechnet mit seinem PvE-Modus. Ich dachte vor Release des Spiels, dass der Salmon Run-Modus lediglich Nintendos Versuch sei, Trends im Shooter-Genre hinterherzurennen. Am Ende war es aber genau dieser „Horde Battle“-Modus, mit dem ich in Splatoon 2 am meisten Spaß hatte. Fragt mich nicht, woran es liegt – ich bin einfach eine ziemliche Niete im Online-Gefecht gegen andere Spieler. Ein kurzweiliger Koop-Modus wie dieser kam mir da sehr gelegen. Vor allem wenn er so spaßig und farbenfroh umgesetzt ist.

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  1. SteamWorld Dig 2

Die Marketingbeauftragten der Gamesindustrie bewerben ein Spiel komischerweise unheimlich häufig damit, dass es den Spieler „süchtig“ machen wird. Als wäre ein Suchtgefühl der Indikator für die Qualität eines Spiels. Im Falle der SteamWorld Dig-Reihe wäre ein Clickbait-Satz wie „Spiele dieses Spiel für eine Minute und sieh, wieso jeder süchtig ist“ allerdings absolut zutreffend. Wie schon der Vorgänger wartet auch SteamWorld Dig 2 mit einer nahezu makellosen Gameplayschleife auf. Ist das Spiel einmal begonnen, fällt es schwer, es zur Seite zu legen, bis man den letzten Edelstein in den Tiefen der Minen gesammelt hat. Rein mechanisch erweitert SteamWorld Dig 2 das Handlungsrepertoire der neuen Protagonistin auf sinnvolle Weise. Am Ende sogar so weit, dass im späteren Verlauf ihr Handlungspotential buchstäblich auf den Kopf gestellt wird. Doch nicht nur das Gameplay hat sich weiterentwickelt. Auch die Atmosphäre des Spiels hat sich verändert. Das Spiel fühlt sich durch seinen Fokus auf horizontales Weltdesign weniger beklemmend an als der vertikal strukturierte Erstling. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wirkt SteamWorld Dig 2 dadurch einladender, andererseits geht die dichte Atmosphäre des ersten Teils ein Stück weit verloren.

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  1. Horizon: Zero Dawn

Das ist jetzt ein wenig peinlich… Nach meiner ersten Berührung mit Horizon: Zero Dawn war ich mir ziemlich sicher, dass das Spiel vollkommen überbewertet ist. Ich weiß nicht, wodurch diese Abneigung zustande kam. Vielleicht war es die zeitliche Nähe zu Zelda: Breath of the Wild, vielleicht waren es die warmen Sommertemperaturen. Ich habe es einfach absolut gar nicht gefühlt. Knapp ein halbes Jahr später habe ich Horizon dann eine zweite Chance gegeben und war plötzlich absolut begeistert. Manchmal kommt sowas eben vor. Besonders beeindruckend fand ich dieses Mal das unfassbar vielseitige Kampfsystem, dessen dynamische Weite ich bei meinem ersten Spielversuch nicht einmal angekratzt habe. Gern würde ich ein lineareres Action-Spiel sehen, welches absolut alles aus diesen Mechaniken herausholt. Der Spaß, den ich mit den Kämpfen in Horizon hatte, lag bei mir nur knapp hinter der Freude, die ich während Dark Souls oder Bayonetta verspüre. Nur schade, dass die Open World neben den tollen Gefechte und der spannenden Hauptstory vergleichsweise fad ist. Audiovisuell spielt die Kulisse natürlich in der obersten Liga mit. Jegliche Sidequests oder Crafting-Mechaniken habe ich für den Großteil des Spiels allerdings beinahe komplett ignoriert. Immerhin lässt sich das Spiel aber auch ohne diese lästigen Elemente hervorragend genießen.

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  1. Golf Story

Beim Erstellen dieser Liste habe ich mich selbst darüber gewundert, wie hoch Golf Story letztendlich geklettert ist. Dieses Spiel ist so unscheinbar, aber gleichzeitig so charmant und originell, dass es zu meinen absoluten Favoriten des Jahres gehört. Gerade in den düsteren Wintermonaten war Golf Story wie ein gemütliches Lagerfeuer an dem ich meine Seele erwärmen konnte. (Kitschig, aber treffend.) Da ich mich nicht wiederholen möchte, verweise ich in dieser Stelle einfach mal auf meinen Artikel, in dem ich erkläre, weshalb Golf Story das bessere Stardew Valley ist.

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  1. What Remains of Edith Finch

Ich spiele gerne hin und wieder mal First Person-Adventures, aber ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass ich mir von diesem jungen Genre nie mehr gewünscht hätte. What Remains of Edith Finch liefert endlich einen Grund dafür, die abschätzige Bezeichnung des „Walking Simulators“ fallen zu lassen. Das schnöde Herumlaufen wird regelmäßig durch stimmig eingesetzte Gameplaypassagen aufgelockert und erhebt sich somit automatisch über sämtliche andere Vertreter des Genres. Einfach nur Gameplay-Passagen einzustreuen wäre eine Sache. Die geradezu meisterhafte Eleganz, mit der die Spielpassagen die Erzählung unterstützen, ist eine andere. Jeder, der in diesem Jahr ein offenes Ohr für Videospieljournalismus hatte, wird sicherlich schon vom Fischfabriklevel gehört haben – vollkommen zurecht, möchte ich anmerken. What Remains of Edith Finch ist der erste Walking Simulator, bei welchem ich das Verlangen hatte, ihn mehrmals zu spielen. Die magische Atmosphäre der Kulisse, die makabren Vignetten über den Tod der Familienmitglieder, das perfekte Pacing sowie die knappe Spieldauer laden geradezu zum Wiedererleben ein.

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  1. Super Mario Odyssey

Wie lange ich auf ein Mario-Spiel gewartet habe, welches den offenen Super Mario 64-Ansatz in die Moderne überträgt… Nun ist es endlich da. Und es ist in etwa so großartig, wie ich es mir vorgestellt habe. Was mir an den 3D-Marios immer am meisten gefallen hat, war die enorme Bewegungsfreiheit sowie Marios intuitives, aber vielseitiges Moveset. Auch Odyssey meistert diese Disziplin und hat mir dadurch großen Spaß bereitet. Letztendlich habe ich aber gemerkt, dass mir der lineare Spielansatz der Super Mario Galaxy-Titel ein wenig besser gefällt. Irgendwann standen mir in Odyssey einfach zu viele bedeutungslose Monde auf der Checkliste, die mir die Gesamterfahrung verwässert haben. Das Spiel hat meine Reize so sehr überflutet, dass ich mich am Ende ein wenig taub gefühlt habe. Bis zu diesem Sättigungsgefühl im Post-Game lieferte mir Super Mario Odyssey dennoch einen Cocktail der reinsten Freude. Wo es dem Spiel an spielerischer Herausforderung mangelte, hat es dies mit Charme wieder wettgemacht. Meine nostalgischen Gefühle für die Reihe spielen hierbei sicherlich eine signifikante Rolle. Aber auch das Entlocken einer sentimentalen Fan-Träne im Finale des New Donk City-Kapitels ist eine Kunst, die man als Entwickler erstmal beherrschen muss.

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  1. Yakuza 0

Von allen Spielen auf dieser Liste ist Yakuza 0 das, welches mich am meisten überrascht hat. Vor Beginn des Jahres zählte ich noch zu den Unwissenden, die im Glauben leben, die Yakuza-Reihe sei „eine Art japanisches GTA“. Wie falsch ich doch lag! Zugegeben – das Spiel hat besonders zu Beginn meine geringe Toleranz gegenüber Textboxen stark auf die Probe gestellt. Nach den ersten paar Kapiteln vergingen die letzten paar dutzend Stunden dann aber wie im Flug. Eine Geschichte, wie Yakuza 0 sie erzählt, habe ich in keinem Spiel zuvor erlebt. Schon nach knappen sechs Stunden scheint es als würde der Plot auf seinen dramatischen Höhepunkt zusteuern. Doch weit gefehlt! Von diesem Punkt an geht es nur noch aufwärts. Die packende Geschichte eskaliert weiter und weiter – und das für mehr als zwanzig weitere Stunden. Noch dazu ist Yakuza 0 eines der wenigen Spiele, deren Erzählung sowohl literarisch, als auch inszenatorisch nicht nur „gut für ein Spiel“ ist. Bei einer derartig starken Hauptquest bleibt kaum Zeit für die sagenhaften Nebenquests, welche, trotz teils enormer Absurdität, perfekt in die Tonalität des Gesamtgeflechts eingewoben sind. Dance-Off mit Michael Jackson, Stealth-Action am Pornoheftautomaten, Prügelei um den brandneuen Dragon Quest-Ableger fürs NES… Beinahe jede Nebengeschichte konnte mich auf irgendeine Weise zum Lachen bringen. Dass die beiden spielbaren Charaktere, Kiryu Kazuma und vor allem Majima Goro, mittlerweile zu meinen liebsten fiktiven Charakteren aller Zeiten gehören, ist da nur die Spitze des Eisbergs. Abgerundet wird die tolle Erzählung durch die authentische Gestaltung der freierkundbaren Stadtviertel von Tokio, bzw. Osaka. Auch die gnadenlos überzeichneten Kampfsequenzen, welche stellenweise beinahe an Klassiker wie Streets of Rage erinnern, fungieren harmonisch mit dem Rest des Werks. Die einzige Schwäche, die ich Yakuza 0 vorhalten kann, liegt in den unzähligen unvertonten Textboxen der Nebenquests. Aber wenn der Inhalt derartig gut ist, nehme ich auch gern mal einen Krampf im rechten Daumen hin.

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  1. The Legend of Zelda: Breath of the Wild

Die Gründe, weshalb dieses Spiel so hoch auf der Liste ist, dürften mittlerweile jedem zulänglich bekannt sein. Es sind ungefähr dieselben, die auf 99% aller anderen GOTY-Listen dieses Jahres zu finden sind. Viel interessanter dürfte sein, wieso ich Breath of the Wild „nur“ auf Platz 3 einordne. Zum größten Teil ist es einfach ein Bauchgefühl. Ich habe, wenn ich an Breath of the Wild zurückdenke, nicht dasselbe wohlige Gefühl wie bei einigen anderen Titeln auf dieser Liste. Rational würde ich die Schuld bei den vielen kleineren Problemen suchen, welche ich mit diesem Meisterwerk hatte. Namentlich: Waffenverschleiß, ständiges Kochen und Crafting. Alles sind Elemente, deren Daseinsberechtigung im Verlauf des Jahres häufig diskutiert wurde. Und auch wenn ich ihre Relevanz im Kontext des Gesamtwerks verstehe, haben sie mich persönlich einfach immer ein wenig gestört. An erster Stelle der Mängel stehen für mich allerdings die vier Dungeons, welche mich völlig enttäuscht haben. Dass dieser eine Kritikpunkt das gesamte Spiel für mich so stark heruntergezogen hat, liegt vor allem an meiner subjektiven Perspektive auf die Zelda-Reihe. Seitdem ich im Alter von sechs Jahren zum ersten Mal mit der Reihe in Berührung gekommen war, waren es stets die Dungeons, welche mich am meisten faszinierten. Der Oberwelt konnte ich tatsächlich ausschließlich in A Link to the Past, Majora’s Mask, The Wind Waker sowie in A Link Between Worlds was abgewinnen. Die Oberwelt von Breath of the Wild hat mich zwar mehr verzaubert als sämtliche der vier gerade genannten. Aber dennoch hat mich der Aspekt des Spiels, auf den ich mich am meisten gefreut habe, ein wenig hungrig zurückgelassen.

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  1. Cuphead

Ein weiterer unscheinbarer Kandidat. Cuphead war so lange in Entwicklung, dass meine Vorfreude auf das Spiel zum Erscheinungstag nahezu erloschen war. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich dann statt des erwarteten „Style over Substance“-Blenders eine Gameplay-Bombe sondergleichen serviert bekommen habe. Jeder der aufregenden und kompromisslosen Bosskämpfe hat bei mir voll ins Schwarze getroffen. Cuphead liefert Nervenkitzel und eine spielerische Intensität, wie ich sie sonst nur aus Dark Souls oder Bloodborne kenne. Egal wie herausfordernd die kreativ designten Gefechte wurden – es kam nie zu größeren Frustmomenten. Grund dafür dürfte die motivierende Mischung sein, aus der sich das Kerngameplay von Cuphead zusammensetzt: Transparentes Trial-and-Error-Bossdesign sowie der schnelle Neustart nach einer Niederlage à la Super Meat Boy, bzw. Hotline Miami. Diese stetige Vorwärtsprogression in der Kompetenz des Spielers sorgt für ein permanentes Gefühl der Befriedigung. Die 1930er-Cartoon-Ästhetik wird bei so viel spielerischer Brillanz beinahe zum Beiwerk. Dass das Spiel aber auch audiovisuell seinesgleichen sucht, sollte an dieser Stelle keiner weiterer Erklärung bedürfen. Cuphead ist nicht nur eines meiner liebsten Spiele des Jahres, sondern hat mit seinem Soundtrack auch gleich eines meiner liebsten Musikalben des Jahres hervorgebracht… Ganz unabhängig davon, dass es im Winter die Pein meines gebrochenen Fußes gelindert hat.

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  1. Persona 5

Ich gehöre ja bekanntlich zu diesen seltsamen Zeitgenossen, die gern viel zu viel in Spiele hineininterpretieren. Da dürfte es niemanden wundern, dass ich mich in den ethischen und philosophischen Fragen, der okkulten und psychoanalytischen Symbolik sowie den soziologischen und politischen Problemen von Persona 5 verloren habe. Doch erzählerische Vielschichtigkeit ist nur das i-Tüpfelchen, wenn um die Qualität dieses Spiels geht. Wie schon seine beiden Vorgänger absorbiert auch Persona 5 den Spieler in eine fiktive Welt, deren immersives Potential ihresgleichen sucht. Mit knapp 100 Stunden dürfte Persona 5 die Einzelspieler-Erfahrung sein, in die ich mich in meinem Leben am längsten verloren habe. Diese enorme Länge hat den Abschied von all den sympathischen Charakteren am Ende des Spiels nur umso schwieriger gemacht. Die Persona-Reihe bewältigt die unglaubliche Aufgabe, die Grenze zwischen virtuellem Charakter und realem sozialen Kontakt verschwimmen zu lassen. Es gibt nur eine Hand voll fiktiver Charaktere, die sich für mich je „wie Freunde“ angefühlt haben. Persona 3, 4 und schließlich auch 5 nehmen diese Hürde mit müheloser Eleganz. Doch Persona 5 wäre nicht so überragend, wie es ist, würde es nicht endlich die langjährigen spielerischen Schwächen der Reihe verbessern. Sowohl die Dungeons als auch das Kampfgameplay sind facettenreicher und griffiger denn je. Besonders das Kampfinterface, welches das Herumhantieren mit JRPG-typischen Menüs auf ein Minimum reduziert, weckt ein Gefühl von unmittelbarer Kontrolle und Action. Auch die audiovisuelle Ästhetik von Persona 5 hat die hohe Messlatte der Vorgänger nochmal weit übertroffen. Selbst die wenigen zähen Momente im Pacing der langen Kampagne konnten nichts daran ändern, dass Persona 5 eine der eindrucksvollsten Spielerfahrungen meines Lebens war.

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Die restlichen Plätze für Hardcore-Listenfans (ohne Remasters/Portierungen):

21. Rime, 22. Echo, 23. Crash Bandicoot N. Sane Trilogy, 24. Gravity Rush 2, 25. Yakuza Kiwami, 26. Dragon Quest Heroes II, 27. Wonder Boy: The Dragon’s Trap, 28. Observer, 29. Nioh, 30. Arms, 31. Resident Evil 7, 32. Prey, 33. Snipperclips, 34. Picross S, 35. Nex Machina, 36. Bury Me, My Love, 37. Mario + Rabbids: Kingdom Battle, 38. Everything, 39. Snake Pass, 40. Morphite, 41. The Surge, 42. Tumbleseed, 43. Absolver, 44. Blossom Tales: The Sleeping King, 45. Uncharted: The Lost Legacy, 46. Fire Emblem Warriors, 47. A Hat in Time, 48. Wheels of Aurelia, 49. Xenoblade Chronicles 2, 50. Hey! Pikmin, 51. Heart Star, 52. Blaster Master Zero, 53. Halo Wars 2, 54. Kirby’s Blowout Blast, 55. Yooka-Laylee, 56. Mass Effect: Andromeda

Volle Offenlegung: Die rot markierten Titel habe ich bisher nicht durchgespielt. Interessant finde ich aber, dass mir einige Spiele, welche ich abgebrochen habe, letztendlich in besserer Erinnerung geblieben sind als viele Titel, durch welche ich mich in einem Zustand milder Unterhaltung bis zum Ende gequält habe. Besonderer Respekt gilt Prey, welches mir nach sechs Stunden so derbe auf den Sack ging, dass ich es verkauft habe. Während der ersten paar Stunden hat mir das Spiel allerdings so gut gefallen, dass ich mich immer noch gern an den Anfang zurückerinnere. Und Nioh… naja, das habe ich erst vor kurzem angefangen. Dann war es mir nach sechs oder sieben Stunden ein wenig zu stressig. Vielleicht mache ich da demnächst mal weiter…