Man kennt es aus der Filmindustrie – die prestigeträchtigste Preisverleihung von allen, die Vergabe der Academy Awards, findet üblicherweise nach allen anderen Award-Shows statt. Deshalb halte ich es für schlüssig, dass auch ich meine persönliche Liste mit einer schicken kleinen Verspätung präsentiere. Es hat natürlich überhaupt nichts damit zu tun, dass ich erst recht spät auf die Idee kam, dass solch eine Liste doch ganz gut zu einem jungen Blog passen würde. Schließlich können meine hingabevollen Leser der ersten Stunde (hallo, Mama) so meinen Spielegeschmack ein wenig besser kennenlernen. Doch genug der Einleitung. 2017 war bekanntlich ein Jahr, welches reich an großartigen Spielen war. Irgendwie habe ich es geschafft, stolze sechzig Neuerscheinungen zu spielen. (Bin selbst von der Zahl überrascht.) Und auch wenn mir einige wichtige Titel fehlen (wie z.B. Hollow Knight, auf dessen Switch-Release ich warte), habe ich doch eine recht breite Perspektive auf das Spielejahr 2017. Diese Liste repräsentiert selbstverständlich meine persönlichen Vorlieben und reflektiert ausschließlich meinen individuellen Genuss der gelisteten Spiele.

  1. Metroid: Samus Returns

Gleich zu Beginn ein recht subjektiver Fall. Metroid ist ganz weit oben, wenn es um meine allerliebsten Spielereihen geht. Wie viele andere Fans habe ich seit einem Jahrzehnt auf einen würdigen neuen Ableger gewartet. Dieses Remake des Game Boy-Klassikers Return of Samus ist ein überaus solides 2D-Metroid, welches aber leider lange nicht so nah an der Perfektion kratzt wie die ganz großen Serienableger. Vor allem in Sachen Atmosphäre bleibt Samus Returns weit hinter Super Metroid sowie dem Quasi-Horrorgame Metroid Fusion zurück. Auch der für die Serie charakteristische Erkundungsanteil leidet unter der rigiden Struktur des Game Boy-Originals. Der Kampf um den 20. Platz war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rime und Samus Returns. Und Rime hätten den Platz vielleicht ein wenig mehr verdient. Letztendlich ist mein Herz fürs Metroid-Franchise aber doch erweicht.

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  1. Pyre

Für die ersten paar Stunden des Spiels war ich alles andere als überzeugt von Pyre. Ich bin kein großer Fan von Visual Novels – vor allem nicht auf dem Fernsehbildschirm. Und auch wenn ich das vorherige Werk des Studios, Transistor, als Gesamtwerk für gelungener halte, konnte Pyre mich mit seinem originellen Kernelement begeistern. Das Erlösen der einzelnen Party-Mitglieder, welches mit dem Verlust desselben Charakters einhergeht, hat für überraschend emotionale Elemente gesorgt und die Erzählung auf eine persönliche Ebene gehoben. Erst die Erkenntnis über den unweigerlichen Verlust der Charaktere hat sie mir richtig ans Herz wachsen lassen. Abgerundet wurde das Ganze von einem Credits-Song, dessen Text sich, abhängig von den Entscheidungen des Spielers, verändert, um dessen individuelles Abenteuer zu resümieren.

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  1. Nier: Automata

Ein Spiel, welches mir nach dem Spielen besser gefiel als während des Spielens. Versteht mich nicht falsch – wäre der kriminell repetitive „zweite Durchgang“ nicht gewesen, stünde Nier: Automata garantiert deutlich höher in meiner Gunst. Aber dieses verpflichtende zweite Drittel steht nun einmal zwischen dem interessanten ersten und dem atemberaubenden dritten Akt des Spiels. Es hat sich trotzdem gelohnt, diese Mühen auf sich zu nehmen, um im „True Ending“ einen der besten Videospielmomente des Jahres zu erleben. Aber im Großen und Ganzen hat mir der anschließende Diskurs über die Symbolik und Philosophie des Spiels besser gefallen, als das Spielerlebnis an sich. (Ja, ich habe ehrlich und aufrichtig große Freude an sowas.) Immerhin war das Gameplay von Nier: Automata, Platinum Games sei Dank, deutlich erträglicher als das des Vorgängers. Man möge fast schon behaupten, es sei hervorragend, gäbe es nicht so viele Mechaniken und Systeme, deren effiziente Nutzung jegliche Herausforderung trivialisieren.

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  1. Assassin’s Creed Origins

Meine Beziehung zur Assassin’s Creed-Reihe ist eine seltsame. Ich gehöre zum Teil der Zielgruppe, welcher sich beinahe ausschließlich für die atemberaubende Inszenierung der historischen Schauplätze interessiert. Und für genau diese Zielgruppe war Origins das reinste Fest. Mir wird es rückblickend sicherlich leidtun, an dieser Stelle zu Superlativen zu greifen, aber ich werde es trotzdem sagen: Assassin’s Creed Origins ist das visuell beeindruckendste Spiel, welches mir je unter die Augen gekommen ist. Auch spielerisch gehört das Spiel zur Speerspitze der Reihe. Anstatt wie sonst nur solides Beiwerk zu sein, hat das Gameplay in Origins tatsächlich Spaß gemacht. Das einzige große Manko des Spiels ist der zu große Zwang, Nebenquests zu erfüllen. Es ist schlicht zu viel Grinding nötig, um die Levelanforderungen für die Hauptquests zu erreichen. Reine Erkundung wird an dieser Stelle leider zu wenig belohnt. Trotzdem trägt das Gameplay in Origins mehr zum Entdeckungsspaß bei als in jedem anderen Serienableger. Und das reicht in diesem Fall aus, um meine Erwartungen an das Assassin’s Creed-Franchise weit zu übertreffen.

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  1. Gorogoa

Gorogoa ist eine auf zwei Stunden konzentrierte Granate der Überraschung und der Verzückung. Die Puzzles des Spiels brillieren durch originelle Lösungsansätze im Minutentakt. Virtuos miteinander verflochtene Malereien verzaubern sowohl auf spielerischer, als auch auf künstlerischer Ebene die Wahrnehmung des Betrachters. Obwohl es, dank seines Dezember-Releases, vieler Ortes als Nachzügler gelten dürfte, hat Gorogoa sich den Platz auf meiner Liste mehr als verdient. Wer mehr Details lesen möchte, darf sich gerne meinen ersten Blog-Artikel zu diesem kleinen Meisterwerk durchlesen.

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  1. Sonic Mania

Anders als viele Fans dieses Spiels hatte ich nie eine innige nostalgische Beziehung zu den Sonic-Klassikern aus den 90ern. Doch gerade deswegen konnte Sonic Mania mich umso mehr beeindrucken. Es ist das erste 2D-Sonic-Spiel, welches ich ohne Einschränkung genießen konnte. Was ich an der Sonic-Reihe schon immer geschätzt habe, ist der einzigartige Stil der 2D-Ableger. Das charakteristische Artdesign in Kombination mit den Soundtracks, welche stets unverkennbar nach Sonic klingen, erschafft eine prägnante Ästhetik, welche Sonic Mania besser einfängt als jedes andere Sonic-Spiel zuvor. Auch spielerisch entledigt sich Sonic Mania vieler althergetragener Schwächen und fühlt sich infolgedessen vor allem fairer sowie besser ausbalanciert an. Der Vergleich mit anderen Jump and Run-Meisterwerken hinkt immer noch, aber so ist Sonic eben. Das Prinzip seiner Spiele ist, auch wenn es dem seiner Genrekollegen ähnlichsehen mag, fundamental verschieden – und das ist ab und an mal was Schönes. Allein in den ersten zwei Wochen habe ich Sonic Mania dreimal durchgespielt.

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  1. Wolfenstein II: The New Colossus

Meine Erwartungshaltung an Wolfenstein II war eine, die ich normalerweise an einen „Walking Simulator“ gehabt hätte. Der Vorgänger The New Order hat meine Erwartungen an die Old-School-Shooterreihe grundlegend verändert. Im Falle von The New Colossus habe ich deshalb seit der Ankündigung nicht nur erwartet, sondern gehofft, dass man die atmosphärische und originelle Story des Erstlings diesmal noch weiter ausbauen würde. Ich habe genau das bekommen, was ich wollte. Wolfenstein II ist eines der sehr wenigen AAA-Spiele, welche sich trauen, Tabus zu brechen – wenn auch nicht die der deutschen Zensurkonventionen. Vor allem die politische Satire während der ruhigen Spielabschnitte sowie die subversive Charakterisierung des Action-Helden B.J. Blazkowicz gelangen den Entwicklern diesmal noch besser als zuvor. Zugegeben – die hohe Cutscene-Dichte würde mich bei jedem anderen Spiel massiv stören. In diesem Fall sind die Filmsequenzen allerdings auf einem derartig hohen Niveau, dass ich sie gern hinnehme. Und nein, ich schäme mich nicht dafür, das Spiel auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad durchgespielt zu haben. Das Gameplay hat mir nämlich auch dieses Mal nicht sonderlich zugesagt. Ich bin einfach nicht sonderlich gut in Militärshootern…

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  1. Hellblade: Senua’s Sacrifice

Hellblade ist zweifelsohne ein signifikanter Schritt für das Medium Videospiel. Doch Hellblade ist weit mehr als nur „der erste große AAA-Indie-Durchbruch“ oder „ein Spiel, welches tabuisierte Themen anspricht“. Seine souveräne sowie authentische Darstellung psychischer Krankheiten mag ja künstlerisch und gesellschaftlich von großer Relevanz sein. Aber ich glaube, ich habe bisher nie genug betont, wie sehr mir Hellblade als isolierte Spielerfahrung gefallen hat. Selten habe ich eine virtuelle Erfahrung erlebt, welche auf solch intensive und rücksichtslose Weise mit meinen Emotionen spielt. Es mag keinen „Spaß“ im klassischen Sinne machen. Aber das bedeutet nicht, dass es mir nicht für Jahre in Erinnerung bleiben dürfte. Vielleicht hat der ständige Dopaminrausch anderer Spiele mich so sehr abgestumpft, dass Hellblades kathartische Faszination umso fesselnder wirken konnte.

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  1. Night in the Woods

Mein Verhältnis zu Night in the Woods ist eine etwas persönlichere Geschichte. Die Lebenssituation der Protagonistin May Borowski – Studium abgebrochen, zurück zu ihren Eltern gezogen, Entfremdung von ihren ehemaligen Freunden – spiegelt zwar nicht unbedingt meine eigene Realität wider, liefert aber dennoch eine Handlungsprämisse, mit der ich mich mehr identifizieren konnte, als mit jeder anderen Videospielstory jemals. Mays kleinstädtischer Alltag erfüllte mich mit einer ungewohnten Melancholie. Das Spiel konfrontierte mich mit einer nur allzu glaubwürdigen „Was-Wäre-Wenn?“-Situation, welche mich einerseits tröstete und andererseits verunsicherte. Es ist vielleicht bezeichnend, dass diese Geschichte über eine depressive anthropomorphe Katze mit so vielen Angehörigen der Generation Y resoniert hat. Eigentlich würde ich dieses charmante Meisterwerk viel höher einstufen. Doch leider dachten die Entwickler, noch eine Mystery-Geschichte ins Spiel einbauen zu müssen, welche vor allem die zweite Spielhälfte stark verwässert. Night in the Woods glänzt dann am hellsten, wenn es einfach nur den Alltag in seiner schnödsten Form darstellt.

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  1. Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia

Die Fire Emblem-Reihe hat während der letzten Jahre eine ziemlich prunkvolle Renaissance erlebt. Doch während die Popularität der Reihe stieg, sanken die neuen Serienableger immer tiefer in meiner Gunst. Wenngleich Awakening rein spielerisch ein ziemlich hervorragendes Fire Emblem war, mangelte es ihm an der für die Serie charakteristischen Ästhetik der Reihe. Nennt mich ewiggestrig, aber ich stehe einfach nicht auf den weichgespülten 08/15-Mainstream-Anime-Look der neueren Serienableger. Das Fire Emblem Fates-Dreigespann hat das Ganze schließlich bis auf die Spitze der Unerträglichkeit getrieben. Umso erfreuter war ich, als ich gemerkt habe, dass Shadows of Valentia entgegen aller Skepsis nicht nur ein absolut erstklassiges Fire Emblem ist, sondern sogar einer der besten Serienableger überhaupt. Vielleicht liegt es an den NES-Wurzeln des Remakes, dass das Writing diesmal ganz ohne Fremdscham verursachende Dialoge daherkommt. Das Gameplay mag zwar zuweilen nicht perfekt ausbalanciert sein, aber im Austausch dafür bekommt man hier endlich mal wieder was Frisches serviert – ironischerweise aus den frühen 90ern. Diesmal sogar komplett ohne Dating-Simulation und stattdessen mit einer genuin charmanten Liebesgeschichte. Es ist eine Wonne!

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